Reise ins Unbekannte: Die Altmark

April 12, 2008

Salzwedel

Erstaunlich, erstaunlich, wie groß dieses Bundesland ist. Ich gebe zu, ich hatte keine Lust. Ich wollte nicht nach Salzwedel fahren. Warum auch? Originaler Baumkuchen gehört nicht zu meinen Lieblingsgerichten, die weit verbreiteten Plagiate auch nicht. Aber ich musste hin, Dienst ist Dienst. Also Salzwedel. 200 Kilometer hin, 200 Kilometer zurück. Dazwischen eine Veranstaltung, die das Prädikat “Gute Unterhaltung” nicht ganz verdient. Und was soll ich sagen? Gestaunt habe ich doch. Denn es ist schon etwas kurios, dass nur in 200 Kilometer Entfernung eine Welt existiert, die mit Sachsen-Anhalt eigentlich gar nichts zu tun hat. Sachsen und auch Anhalt sind weit von ihr entfernt. Ich habs zwar schon immer gewusst, selber sehen und hören, ist dennoch etwas anderes. Salzwedel liegt in der Altmark und gehört damit schon vom Namen her zur Mark Brandenburg. Warum es da nicht mehr dazu gehört? Keine Ahnung. Die Altmark gilt als Wiege Brandenburgs, gar als Wiege Preußens. Der Ort Bismark, der liegt in der Altmark. Wer, wie ich den gefühlt, sehr langen Weg von Süden dorthin fährt, staunt aber auch darüber,  dass hinter Salzwedel gleich Mecklenburg-Vorpommern anfängt. Das passt ganz gut, denn optisch sieht die Stadt mit ihrem putzigem Fachwerk und den gotischen Backsteinelementen sehr hanseatisch aus. Gesprochen wird, so wie man es erwartet, mit lang gedehnten Vokalen, bisweilen sogar noch Platt. Und natürlich hat sich Salzwedel zum 1. April dieses Jahres den Titel Hansestadt zurückgeholt und trägt diesen nun wieder - offenbar mit Stolz. Ich bin vorhin wieder zurückgekehrt aus Salzwedel. Und finde jetzt, dass es manchmal ganz gut ist, vermeintlich weite Wege zu machen, um zu entdecken, was es in der Nähe alles gibt. 

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3 Comments Add your own

  • 1. Torsten Rögner  |  Juli 18, 2008 at 9:46 Uhr vormittags

    Ein “Salzwedel” gibt es (fast) überall…

    Auch in anderen Teilen Sachsen-Anhalts wurde und wird auch noch bei der älteren Generation Plattdeutsch gesprochen. Bei den Nachkriegsgenerationen ist es jedoch schon stark zurückgedrängt. Dennoch ist an einzelnen Worten immer noch das Substrat zu erkennen.

    Auch andere Landstriche Sachsen-Anhalts sind brandenburg-preußisch geprägt.

    Auch in vielen anderen Orten, vornämlich in der Altmark und im Elbe-Havel-Winkel stehen neben Backstein-Kirchen niedrige Fachwerkhäuser.

    Weiter 15 Städte in Sachsen-Anhalt weisen eine Tradition als Hansestadt auf.

    Deshalb kann ich nicht verstehen, dass Du in Salzwedel eine Welt vorgefunden hast, die angeblich “nichts mit Sachsen-Anhalt zu tun hat”. Natürlich ist Salzwedel ein Stück weit von Sachsen entfernt. (übrigens NiederSACHSEN auch.) Denn auch der Name Sachsen-Anhalt bezieht sich nicht auf den Freistaat im Südosten und hat eine ganz andere Entstehungsgeschichte.

    Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland mit vielen Traditionen und unterschiedlichen Regionen, wie z.B. dem Harz, dem Fläming, der Altmark oder der Unstrut-Region. Es sind nicht die Unterschiede, die das Bild “stören” - sondern erst diese Unterschiede ergeben “das Bild”.

    Vielleicht solltest Du Dein Bild von Sachsen-Anhalt, und was typisch sachsen-anhaltisch ist, überdecken - ggf. revidieren. Sich vor Ort umzuschauen hilft dabei natürlich…

    Ich bin übrigens zu diesem Beitrag gelangt durch einen Link auf einer anderen Seite, welche die Fusionen von Bundesländern diskutierte. Doch hier zeigt sich mir, wie wenig glücklich das Zusammenlegen von Sachsen und Sachsen-Anhalt zu einen neuen Bundesland Mitteldeutschland wäre, denn die Menschen in Sachsen-Anhalt sind mehr als „Rand-Sachsen“ und fühlen auch so.

  • 2. bigoudi  |  Juli 18, 2008 at 11:34 Uhr vormittags

    Danke für Deien Kommentar. Aber so wie Du meinen Text offenbar verstehst, war er gar nicht gemeint. Ich wollte damals nur meinem Erstaunen Ausdruck verleihen, denn ich war in diesem äußersten Zipfel des Landes vorher noch nie, und es hat mir sehr gut gefallen.

    Allerdings ist richtig, dass sich hier unten im Raum Halle niemand wirklich für diese Gegend interessiert. Das ist auch nicht unbedingt negativ zu sehen, denn es stimmt: Sachsen-Anhalt ist ein Land mit vielen historischen Traditionen. Und im Gegensatz zu Sachsen oder Thüringen bildet Sachsen-Anhalt daher keine Einheit. Viele Leute hier schauen daher auch woandershin - etwa nach Leipzig. Damit sind sie gewiss keine “Rand-Sachsen”, wie Du schreibst…. höchstens Menschen, die in der ehemaligen Provinz Sachsen wohnen. Andere wohnen in der Region Anhalt oder auch in der Altmark. Manche wohnen in Hansestädten, manche nicht. Auch Halle ist eine Hansestadt.

    Also….ich wollte Sachsen-Anhalt keinesfalls schlechter machen, als es ist und damit auch keine Mitteldeutschlanddiskussion eröffnen. Das war in der vergangenen Woche der Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD)… allerdings finde ich die Idee wiederum gar nicht schlecht.

  • 3. Torsten Rögner  |  Juli 21, 2008 at 6:38 Uhr nachmittags

    Ich kann mich nur schwer für ein neues Bundesland Mitteldeutschland begeistern und zugleich stellt sich mir die Frage: wer dieses überhaupt braucht? Außerdem bezweifele ich, dass es überhaupt politisch umsetzbar ist. Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben bereits lange gebraucht, um sich an das jetzige Bundesland zu gewöhnen. Und nun sollen sie sich schon wieder für ein neues Bundesland begeistern?!

    Mag sein, dass sich in der Region Halle-Leipzig Synergieeffekte erzielen lassen. Aber das lässt sich auch ohne eine Zusammenlegung von Bundesländern erreichen und sollte auch so angegangen werden - ohne darauf zu warten, dass sich eventuell 2030 die Ländergrenzen verändern.

    Für die das Gebiet um Magdeburg und erst recht nördlich davon ist dieses Gravitationszentrum Leipzig weit weg, vielleicht mental sogar weiter als die Gravitationszentren Hannover-Braunschweig und Berlin. Auch die von Herrn Bullerjahn beschworenen Gemeinsamkeiten zu Thüringen und Sachsen können hier nicht so nachvollzogen werden. Da sind die Beziehungen und Ähnlichkeiten zu den benachbarten Regionen Brandenburgs und Niedersachsens offensichtlicher.

    Ich will Herrn Bullerjahn keinen überdurchschnittlichen Profilierungsdrang unterstellen - doch vielleicht wäre es sinnvoll, wenn er auch mal die Bevölkerung nach ihrer Gefühlslage befragen würde. Denn schließlich soll diese sich ja auch mit diesem Bundesland identifizieren können.

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